Seiten

Seiten

Die Tarifkampagne von ver.di für Auszubildende im Friseurhandwerk mit dem Ziel, höhere Ausbildungsvergütungen und bessere Ausbildungsbedingungen zu erreichen.

Seiten

Powered by Blogger.

Slider Top

[3] [slider] [slider-top-big] [Slider]

Müssen Überstunden bezahlt werden?

Manch ein Arbeitgeber im Friseurhandwerk nimmt es mit den Überstunden seiner Auszubildenden nicht so genau. Doch darf man in der Ausbildung überhaupt Überstunden machen? Und was kann ich dagegen tun? Das wollen wir in diesem Post klären.

Viele Azubis im Friseurhandwerk arbeiten deutlich länger als es in ihren Ausbildungsverträgen steht. Wer eine betriebliche Ausbildung macht, ist ausschließlich für den Zweck beschäftigt, einen Beruf zu erlernen. Darum erhält ein Azubi am Monatsende auch eine Vergütung und nicht Lohn oder Gehalt. Die Arbeitszeit, die im Ausbildungsvertrag steht, sollte deshalb ausreichen, um einem Azubi die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Von einem Azubi kann deshalb nicht verlangt werden, Überstunden zu leisten.

Sofern keine anderen tariflichen Regelungen bestehen, gilt für minderjährige Azubis eine Arbeitszeit von höchstens 40 Stunden wöchentlich und 8 Stunden täglich. An einzelnen Tagen sind auch bis zu 8,5 Stunden erlaubt, aber nur, wenn sie an einem anderen Tag der Woche entsprechend weniger arbeiten. Das heißt: Der Arbeitgeber verstößt gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz, wenn er von seinem Azubi verlangt, mehr als 8,5 Stunden zu arbeiten.

Für Volljährige beträgt die tägliche Höchstarbeitszeit acht Stunden. Die Ausbildungszeit darf auf maximal zehn Stunden nur verlängert werden, wenn sie innerhalb von sechs Monaten im Schnitt acht Stunden täglich nicht überschreitet. Verlangt man von einem Volljährigen, mehr als zehn Stunden zu arbeiten, verstößt der Chef gegen das Arbeitszeitgesetz. Wer nach der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeit noch im Betrieb ist und einen Arbeitsunfall hat, kann Probleme bekommen, weil die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft nicht zahlt. Das trifft vor allem den Azubi.

Diese Zahlen sind jedoch kein Freifahrtschein für die Arbeitgeber, ihre Auszubildenden tatsächlich auch so lange arbeiten zu lassen. Denn es gilt die Arbeitszeit die im Vertrag steht – alles was darüber hinaus geht, sind Überstunden!

Macht ein Azubi Überstunden, dann kann dies nur freiwillig geschehen. Auch die Überstunden müssen dem Ausbildungszweck dienen. Das heißt, man lernt etwas dabei und ein Ausbilder muss anwesend sein.

Nun sieht die Realität im Friseurhandwerk leider oftmals anders aus. Was kann ich nun als Friseur-Azubi tun? Überstunden müssen mit Mehrarbeitszuschlag ausbezahlt oder mit Zeitzuschlag in Freizeit ausgeglichen werden. Wer länger arbeitet, sollte die Stunden genau aufschreiben und sich vom Ausbilder oder Arbeitgeber z.B. im Berichtsheft abzeichnen lassen. So lassen sich die Überstunden später besser nachweisen. Ein Arbeitszeitnachweis in Form von Arbeitsplänen oder einem privat geführten Überstundenkalender helfen ebenfalls weiter.

Diese Überstunden können bereits in der Ausbildung, aber auch noch ein Jahr nach der Ausbildung geltend gemacht und beim (Ex-)Arbeitgeber auch nach Beendigung der Ausbildung eingereicht werden. Wie schreibe ich so eine Geltendmachung und wie setze ich mein Recht durch? Keine Bange, als ver.di Mitglied hast du bei uns Arbeitsrechtsschutz und kannst mit deinem Anliegen zu uns kommen. Wir beraten dich, schreiben dir deine Geltendmachung und setzen deine Ansprüche im Zweifel auch vor Gericht mit Rechtsanwälten durch.

Übrigens: Jeder Übungsabend ist Arbeitszeit!

In einem der nächsten Posts klären wir eure Fragen rund um die Berufsschule und die Anrechnung auf eure Arbeitszeit.